Bien

Bienenkrankheiten: Ja, auch Bienen können krank werden!

Als ich klein war, hatte ich einen wunderbar verschmusten, schwarzweißen, braunäugigen und süßen Sibirischen Husky. Sein Name war Ito. Mit etwa 14 Jahren starb er unglücklicherweise an einem Tumor. Wir überlegen und erinnern uns meist am besten an die Dinge, welche wir am häufigsten hören oder was uns selbst näher ist. Wenn wir allerdings an den Tierarzt denken, denken wir daran ihn für die Impfung des Hundes oder die Sterilisation der Katze zu rufen. Hunde und Katzen können krank werden und schon kommt der Tierarzt in Spiel. Natürlich gibt es nicht nur Hunde und Katzen. Wenn jemand eine kleine Farm hat, dann wird der Tierarzt auch für Kühe, Schweine, Ziegen, Pferde,… gerufen. Aber für die Bienen? Bienen brauchen den Tierarzt? Wie soll das funktionieren? Geht jede Biene einzeln und nacheinander zum Arzt? Wie kann der Tierarzt sie untersuchen wenn sie doch immerzu herum fliegen?

Trotz dem das Bienen perfekt erscheinen, unbesiegbar, super effizeint… fast wie Superhelden! … können auch sie krank werden… ernsthaft krank sogar.

Ops, darüber habe ich zuvor nie nachgedacht…

Ich wollte nicht böse sein, sie nicht diskriminieren, absolut nicht! Es ist nur so, dass ich zuvor nie darüber nachgedacht habe. Nicht darüber dass Bienen krank werden können und auch nciht darüber ob der Tierarzt auch zu ihnen kommen muss. Dabei, gibt es sogar eine recht breite Palette an Bienenkrankheiten und es ist wichtig sich dessen bewusst zu sein! Vielleicht denkst du ‚ich halte keine Bienen, bin kein Imker, ich muss mich nicht darum kümmern, nicht einmal davon wissen‘. Doch es sollte nicht so sein. Ich will nicht übertrieben klingen, doch es ist ein sehr ernstes und wichtiges Thema.

Warte, ich erkläre dir warum…

Bienenkrankheiten? Sie existieren! Obwohl sich Imker immer mit viel liebe um die Bienen kümmern!
Opa Heinz kümmert sich immer mit viel Liebe

Auch auf unserer Startseite steht geschrieben „Bienensind für alle da, doch nicht jeder kann sich um sie kümmern!”. Das Bedeutet auch und vor allem, wenn du dich für den Pfad als Imker entscheidest, dass du es wirklich willst. Bienen sind nicht nur: „Lass uns der Artenvielfalt helfen!“ oder „Mhmm Honig schmeckt so gut!“, sie sind so viel mehr. Sie bestehen nicht aus Plastik, es handelt sich um Lebewesen und sie können krank werden. Bedeutet, wenn du eine Imkerei willst, was etwas gutes ist, musst du zuvor lernen, Erfahrungen sammeln und sehr viel beobachten. Nicht nur der Respekt für die Bienen ist notwendig auch und ganz besonders der Respekt für die anderen Imker im Umfeld. Denn weißt du was passiert, wenn du den Weg als Imker gehst ohne es wirklich ernst zu nehmen? Die Bienen der anderen Imker könnten trotz dem, dass sie alles richtig machen und große Anstrengungen auf sich nehmen, krank werden. Dies würde wiederum einen gefährlichen und verlustreichen Dominoeffekt auslösen, welcher mit im Tod von unzähligen Bienen und dem unermesslichen Leid der Imker endet. Nachhaltig und Bewusst zu leben bedeutet dies bei jeder Handlung und jeder Wahl zu berücksichtigen.

Bienenkrankheiten: Können sie sich nicht selbst helfen?

In einem der Handbücher über Imkerei, welche ich gelesen habe, wird beschrieben dass bereits die Bienenbeute nicht sehr hilfreich zur Vermeidung von Krankheiten ist. Es sind nahezu geschlossene Systeme mit hoher Temperatur und Feuchtigkeitsgehalt. Sie enthalten viele Nährstoffe und tausende kleine Lebewesen welche, durch ihre Soziale Organisation, im ständigen Kontakt miteinander stehen… doch die Bienen mögen es also ist es gut so. Auf der anderen Seite, wissen Bienen sich zu schützen: Honig, Propolis und Gelee Royal (das Gute Zeugs) enthalten aktive antibakterielle Substanzen welche gegen die meisten Pathogene helfen. Außerdem sind Bienen geradezu besessen von Sauberkeit. Die gesamte Bienenbeute, sogar jede einzelne Zelle im Wachs, wird ständig gesäubert. Jede verstorbene Biene aber auch andere Insekten welche sich erfolgreich eingeschlichen haben werden schnellst möglich aus der Beute geworfen. Was zu groß dafür ist wird mit Propolis geradezu mumifiziert. Dadurch wird es komplett harmlos. Sauber, sauber, sauber! Eine Zwangsstörung, geradezu ein Tick, welcher eine gesunde Umgebung für die Bienen ermöglicht.

Aber…Was läuft dann schief?

Nun, die Familie könnte, durch äußere Einflüsse, bereits geschwächt sein und kann deshalb nicht in der angemessenen Form reagieren. Ein falscher Standort, womöglich zu sehr verschmutzt, zu wenige Nektar- oder Wasserquellen können Ursachen für schwächere Familien sein. Weitere Ursachen können ein oder mehrere eher oberflächlich agierende Imker in der Umgebung sein. Kleine Unachtsamkeiten bei den Kontrollen oder unsauberes Arbeiten, die Reinigung der Werkzeuge oder ältere Waben regelmäßig zu ersetzen, können verheerende Folgen für viele nach sich ziehen.

Ganz sicher, muss der Imker der erste sein welcher sich um die Bienen und deren Balance kümmert. Kontrollen sind fundamental wichtig um auch die kleinsten Warnhinweise frühzeitig zu bemerken. Dann sollte auch der Tierarzt zu rate gezogen werden.

Welche Bienenkrankheiten es gibt?

Jetzt will ich dich nicht, mit tausenden Details zu jeder Krankheit, langweilen. Ich werde sie dir nur kurz beschreiben. Bienenkrankheiten können unterschieden werden: in solche die die „erwachsene“ Biene befallen und in die Krankheiten welche die Brut der Familie befällt. Verursacher können Pilze, Bakterien und oder Viren sein.

Die bekanntesten sind:

  • Die Varroa Milbe: Diese Milbe verursacht Fehlbildungen, Schwäche und Verletzungen der Bienen. Es scheint sie würde bevorzugt die Drohnen befallen, ist aber doch völlig willkürlich. Deswegen ist es unerlässlich jedes Volk einer jährlichen Varroa Behandlung zu unterziehen.
  • Amerikanische Faulbrut: attackiert die Brut. Die Sporen dieser Bakterie sind extrem widerstandsfähig und schwer auszurotten (bis zu dem Punkt an dem nur noch Feuer hilft)
  • Europäische Faulbrut: auch in diesem Fall wird die Brut befallen. Wenn man sie mit der Amerikanischen Variante vergleicht, unterscheidet sie sich nur in der Erscheinung der Verendeten Brut. Für beide gilt unglücklicherweise, dass es kaum eine Möglichkeit gibt es frühzeitig zu erkennen. Man erkennt es erst wenn es zu spät ist oder durch regelmäßige Labor Tests.
  • Acarapis woodi: Diese Milbe befällt die erwachsenen Bienen, im speziellen deren Atemapparat. Die Bienen werden schwächer und ersticken irgendwann. Dann sucht sich die Milbe ein neues Opfer.
  • Nosema Apis: Befällt erwachsene Bienen. Dieser Pilz wird mit der Nahrung aufgenommen und schädigt den Darm. Die Beinen sind nicht mehr in der Lage die Brut zu füttern und ihre Exkremente verbreiten den Pilz weiter,.
  • Nosema ceranae: verkürzt den Lebenszyklus der erwachsenen Biene. Die Bienen zittern und sind nicht mehr in der Lage zu fliegen. Die Familie wird damit schwächer und schwächer bis sie verschwindet.

Wie kann man Bienenkrankheiten bekämpfen?

Abgesehen von Varroa, welche du jedes Jahr behandelst um die Effekte zu mildern, gibt in den anderen Fällen nur viele und harte Arbeit. Einerseits sind Honig, Wachs und alle weiteren Produkte aus der Bienenbeute unbedenklich und können weiter verwendet und verkauft werden. Allerdings DARF nichts davon den Bienen erneut zugeführt werden. Der Wachs kann für Kerzen verwendet werden, allerdings nicht zur Herstellung von Mittelwänden. Wir können den Honig ohne Probleme essen, allerdings dürfen wir ihn nie weder an Bienen verfüttern. Mal ehrlich: Bienen sollten niemals mit Honig gefüttert werden. Es gibt keine Impfungen oder Medikamente gegen die meisten Krankheiten. Sobald gerettet wurde was zu retten war, besonders in einem späten Stadium, muss zumeist alles verbrannt werden. Deshalb meinte ich, dass es eine menge harter Arbeit für den totunglücklichen Imker.


Wir hoffen dass dir dieser Artikel auch das Thema der Bienenkrankheiten näher bringen konnte. Dies alles ist nicht nur für Imker wichtig, sondern für jeden einzelnen von uns. Mit dem Verständnis dafür verstehst du dann auch warum es so wichtig ist den Bienen keinen Honig zu geben. Es lässt dich verstehen warum ihre Balance so fragil ist. Warum Bienenfreundliche Pflanzen essenziell sind, denn umso mehr Nektarquellen existieren desto stärker und gesünder sind die Bienen. Den Job des Imkers wirst du mit völlig anderen Augen betrachten, nichts darf einfach so vorausgesetzt werden. Unglücklicherweise werden auch Bienen krank, wir sollten dies im Kopf behalten. Hast du zuvor je von einer Bienenkrankheit gehört?

Frage, Bemerkenswertes oder Anekdote zum Thema? Die Kommentarfunktion findet ihr hier drunter. 😉

fühlt euch gedrückt,

die Gäblini

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.